Mit dem Zyklus Beethoven revisited, in dem alle Beethoven-Sinfonien in chronologischer Reihenfolge in einem Zeitrahmen von 6 Wochen erklingen sollen, wird ein grundsätzlicher Wechsel der Blickrichtungin der Rezeption und Aufführung dieses zentralen Werk-Corpus europäischen Musikverständnisses versucht:
Was Beethoven "schon" war, wie sehr er die Nachfolgenden geprägt und die Musikgeschichte für immer beeinflußt hat, das haben die großartigsten Musiker des 20. Jahrhunderts in viele Richtungen ausgelotet. Was Beethoven "noch" gewesen ist, das ist die Fragestellung, mit der das vorliegende Projekt sich auseinandersetzen will: wo kommt Beethoven (musikalisch) her, und was machte ihn so revolutionär?
Die Methode, sich dieser Fragestellung zu nähern, ist radikale Verschlankung, eine Reduktion des äußeren Aufwands und damit eine Zurückführung der Musik auf ihre Substanz. Mit einer Neu-Instrumentierung für ein Ensemble von 16 Musikern befreien wir die Musik von der Masse des großen, des "romantischen" Orchesters und machen damit bereits einen entscheidenden Schritt: Es ist nämlich nicht zuletzt der Einfluß von Beethovens neunter Sinfonie gewesen, der die Definition des Sinfonischen an sich vom Gehalt zur schieren Klang-Masse hin verschob.
Die Verfahrensweise der Transkription wird quasi von Beethoven selbst legitimiert: er hat eigenhändig seine zweite Sinfonie für Klaviertrio gesetzt; eine seiner Klaviersonaten als Streichquartett bearbeitet, und selbst für das Finale der 9. Sinfonie gab es Pläne für eine Alternativfassung ohne Chor - für den Export nach England - Besipiele genug für eine offene Haltung gegenüber Transkriptionen: auch hierin übrigens noch ganz dem 18. Jahruhundert verhaftet.
Zusätzlich zu den jeweils programmierten Sinfonien erklingt in jedem Konzert ein weiteres, modernes oder zeitgenössisches Werk, das in einem strukturellen oder inhaltlichen Verhältnis zu den jeweiligen Werken Beethovens steht. Dieses Werk wird weder dem Publikum noch der Presse vorher bekanntgegeben, so daß eine wirkliche Offenheit gegenüber der Musik bei den Zuhörern geradezu erzwungen wird.
Als technisch-sozilogische Innovation gibt es zusammen mit dem Bayerischen Rundfunk Überlegungen, diese Konzerte komplett als podcast ins Internet zu stellen. Das wäre eine Weltpremiere, mit der eine neue Zielgruppe -oftmals jugendliche Zuhörer -erreicht werden könnten. Die reduzierten Besetzungen kämen den technischen Möglichkeiten des mp3-Formates besonders entgegen.